Nährstoff-Film-Technik

 

Deine Schritt-für-Schritt-Anleitung für ein NFT-System (Nährstoff-Film-Technik)

 

 

Bild NFT 1: Grobes Schema des realisierten NFT-Systems

 

Material

  • 4 HT oder PVC Rohre Durchmesser 75mm, länge 2000mm

Die Form und Größe der Rohre muss an der Menge der Pflanzen und dem Durchfluss des Wassers angepasst werden. Empfohlen wird eine Durchflussrate von 1 Liter Wasser pro Minute.
Mehrere Rohre übereinander oder nebeneinander ist kein Problem.
Es könnten nur dann Probleme auftreten, wenn die Abfluss-Menge des Wassers nicht der Zufluss-Menge des Wassers entspricht.
Zufluss > Abfluss = Überflutung
Zufluss < Abfluss = Austrocknung

  • 8 Deckel für alle Rohre (Muffenstopfen), (entsprechend 75mm)
  • Rohrschellen Durchmesser 70mm
  • Wasser Reservoir, Kiste (400x600x400mm)
    Kann aus lebensmittelgeeignetem Plastik sein. Sollte jedoch kein Licht durchlassen oder Algen beim Wachstum helfen.
  • Wasserpumpe (~15W)
    Die Pumpe muss nur das Wasser in den Kanal (Kanäle) pumpen. Sie muss nicht leistungsfähig sein. Stromsparende Pumpen sind ok.
  • PVC Schlauch zur Bewässerung (Durchmesser 17mm, Länge ca. 4000mm), schwarz
  • 6 Winkel (L-Stücke) zur Abzweigung des Bewässerungssystems (Durchmesser 17mm)
  • 3 T-Stücke für Abzweigung des Bewässerungssystems (Durchmesser 17mm)
  • 4 längliche LED-Lampen (36 W gesamt)
  • Eine Stützstruktur (Do it yourself), ein Tisch, Böcke etc. für die Befestigung der Rohre
  • Eine Hängestruktur (Do it yourself) für die Beleuchtung
  • 30 Netztöpfe nach Bedarf
    Netztöpfe können im Internet bestellt werden. Bei Salat müssen es nicht so große Töpfe sein. Bei z. B. Tomaten sollten es etwas größere Netztöpfe sein. Die Maße sind immer mit z. B. 5/7 angegeben. Das heißt Durchmesser = 5 cm und länge = 7 cm.
  • Lochborkopf für Lochsäge (entsprechend der Breite der Netztöpfe)
  • Substrat

Es gibt ein Duzend verschiedene Substratarten für Hydroponik. Blähton (Speichert mehr Wasser) und Perlite (günstiger) ist empfehlenswert, weil damit die besten Erfahrungen gemacht wurden. Zum Vorziehen der Samen habe ich Kokosnussfaser genommen. Das ist organisch, inert und lässt sich beim Umpflanzungsvorgang gut entfernen.
Die Korngröße der Blähtonkugeln hat mit der Speicherung des Wassers und mit der Wurzelgröße der Pflanze zu tun. Je tiefer und dicker die Wurzel geht desto größer können die Kugeln sein. Je größer die Kugeln sind, desto mehr Wasser können sie speichern.
Manche bringen die Jungpflanzen mit ihren Steinwolle-Matten in das System. Also ohne weiteres Substrat, was nicht zu empfehlen ist, da es Mikroorganismen zum Wachstum verhilft und als umweltkritisch angesehen wird.

  • Pflanzen nach Bedarf (bei mir war es beim ersten Versuch Salat)
  • Zeitschaltuhr, ist optional
  • Nährstofflösung:

Es sollte grundsätzlich kein normaler Pflanzendünger verwendet werden.
Bevor die Nährstofflösung angesetzt wird, ist es von Vorteil, wenn das Wasser abgekocht wird. Destilliertes Wasser ist jedoch die beste Grundlage für den Ansatz einer hochwertigen Nährstofflösung. Denn in destilliertem Wasser sind weder irgendwelche Keime noch Schwermetalle oder andere potentiell belastende Substanzen. Aber auch für Leitungswasser gibt es inzwischen passende Dünger für hartes, kalkhaltiges Wasser.
Folgende zwei Hydroponik-Dünger sind weit verbreitet: General „FloraGro“ von GHE und FloraMicro (Hardwater)

  • PH-Tester und EEC-Gerät
  • PH-Senker und pH-Heber (GHE). Der pH-Wert bestimmt über die Fähigkeit der Nährstoffaufnahme

 

Vorbemerkung

In meinem Versuch habe ich eine NFT mit einer Tiefwasserkultur kombiniert, um die Pflanzen vorziehen zu können. Jedoch sind die beiden Systeme nicht miteinander verbunden, sondern stehen nur nebeneinander. Ich habe mir überlegt das 4 Rohre direkt mit ins Wasserreservoir eingebaut werden.
Ich habe des Weiteren noch im eine Reflexionsfolie drunter gelegt.
Für meinen ersten Versuch des NFT-Systems habe ich nicht genug Platz in meiner Wohnung gehabt. Das NFT-System wurde daher im Winter in einem Gewächshaus eines Freundes gebaut und konnte weitestgehend mit einem Heizlüfter bei ~20 oC gehalten werden.

 

 

Die Nährstofflösung sollte, abhängig vom Bedarf, immer wieder aufgefüllt werden. Destilliertes oder abgekochtes Wasser ist von Vorteil. Ob die Nährstofflösung genügend konzentriert ist, erkennt man mit einem Leitfähigkeitsmessgerät oder einem TDS-Gerät. Es wird folgende Leitfähigkeit empfohlen:

  • für Stecklinge zwischen 0,3 – 0,8 mS/cm
  • für frisch gewurzelte Pflanzen ab 1,5 mS/cm
  • Wachstumsphase zwischen 1,6 – 2,0 mS/cm

Mit einem pH-Meter sollte der pH-Wert gecheckt und bei Bedarf korrigiert werden. Der optimale pH-Wert beträgt je Pflanze zwischen 5,5 bis 6. Bei 6,5 und höher oder 5,0 und niedriger solltest du handeln. Die Korrektur erfolgt mit einem pH-Wert-Senker (pH-Down) oder mit einem pH-Wert-Heber (pH-Up).

Visuelle Begutachtung sollte nicht nur dem zirkulierenden Wassersystem geschenkt werden, sondern auch den Wurzeln der Pflanzen. Weiße Wurzeln zeugen von guter Gesundheit, dunklere Wurzeln zeugen von mangelnden Lebensbedingungen. Also sollte periodisch geschaut werden ob alle Wurzeln noch leben. Die Wasser-Wurzeln der Pflanzen werden dicker im Vergleich zu erdbasierten Pflanzen.

Das Gesamte NFT-System ohne Stützstrukturen und Lampen hat mich ca. 120 € gekostet. Die Stromkosten für Pumpen und Heizung habe ich nicht mit eingerechnet. Da das System aber im Winter geheizt werden musste, war es insgesamt teuer!

 

Anleitung

Man fängt an, in dem man die Plattform schafft auf der sich das NFT-System befinden wird. Dazu gibt es die Rohrschellen. Diese werden jeweils am Anfang und Ende verknüpft und an der Plattform befestigt. Das kann ein Tisch oder 2 Böcke sein. Wichtig ist, dass die Rohre den richtigen Neigungswinkel haben. In meinem Versuchsaufbau ist das etwa 3% Steigung. Messe am besten die Fließgeschwindigkeit des Wassers selber. Diese sollte zwischen 1 L/Min und max. 2 L/min betragen

 

Bild NFT 2: Eine am Untergrund befestigten Rohrschelle

 

Dann bohrt man in die 2m-Rohre 5cm breite Löcher (oder Durchmesser des Netztopfs) in 25 cm-Abständen ein.

Benutze die Lochsäge dazu. Nicht zu sehr aufdrücken, sonst splittert das Plastik umso mehr. Man kann auch nach einigen Umdrehungen in umgekehrter Richtung sägen und erhält dann eine saubere Kante.
Bei 2 von 4 Rohren fängt man 10 cm vom Rand an, bei den anderen 2 Rohren fängt man bei 30 cm vom Rand an. Optimal ist eine abwechselnde Reihenfolge, wenn man mehrere Rohre nebeneinander montieren möchte. Dann haben die Pflanzen viel Platz, wie im Bild 4.

 

Bild NFT 3: Bohren der Löcher und schleifen der Ränder für die Netztöpfe

 

Dann werden die Rohre an der Plattform mit den Schlauchschellen befestigt.

Als nächstes wird das Bewässerungssystem befestigt. So wie auf dem unteren Bild.


Bild NFT 4: Fertigmontiertes NFT-System inklusive Bewässerung (kleine schwarze Leitung)

Dazu wird jedes Rohr oben mit einem 17mm dicken Loch versehen. Alle in paralleler Reihenfolge. Achte darauf, dass die Rohre diese Position beibehalten. Montiere daher die Rohre in ihrer bevorzugten Position am Untergrund, bevor du das Bewässerungssystem baust.

Dann befestige die L-Stücke. Die L-Stücke der 2 linken Rohre zeigen zueinander und die L-Stücke der 2 rechten Rohre zeigen zueinander. Um die letzten Stücke des Bewässerungsschlauchs der Abzweigung richtig zu fertigen, bedarf es etwas Fingerspitzengefühl. Man verbindet zuerst die 2 L-Stücke mit einem abgeschnittenen Schlauchstück. Dann teilt man das kleine Schlauchstück in der Mitte in 2 Teile, nimmt von jedem noch einmal ~1 cm weg, verbindet es mit einem T-Stück und passt es an die L-Stücke an. Dieses macht man auch bei den linken 2 Rohren.

Dann baut man die andere Verzweigung der Bewässerung. An die 2 montierten T-Stücke befestigt man ca. 5 cm Schlauch. An die Enden kommen wieder L-Stücke. Dann misst man die Entfernung zwischen den L-Stücken und schneidet entsprechend ein passendes Schlauchstück ab. Dieses teilt man an der Stelle (ungefähr in der Mitte), wo es nicht auf dem Rohr aufliegt. Also im Zwischenraum. Dann nimmt man wieder etwas (~1cm) von jedem Ende weg und passt es an einem finalen T-Stück an.

Von diesem T-Stück aus muss der Bewässerungsschlauch bis an den Boden des Wasserreservoirs reichen. Im Reservoir schließt man später das Ende des Schlauchs an die Wasserpumpe.

Dann kann man die alle Enden der Rohre mit Deckeln verschließen. Die, in das Reservoir ragenden Rohrenden werden mit einem 1,7mm Loch versehen. Das Loch wird aber ca. 2cm vom Rand entfernt gebohrt. Daraus kann einerseits das Wasser rausfließen und andererseits kann die Fließhöhe durch drehen am Deckel eingestellt werden.

Bild NFT 5: Rohre ragen ins Wasserreservoir

 

Ich muss hier nochmals betonen, dass so wenig wie möglich Wasser zusehen sein sollte. Ich sehe, dass viele Leute ihre Auffangbehälter voll und offen lassen. Dies ist eine Kontaminationsquelle, welche man schon mit einfachen Mitteln unterbinden kann. Je mehr Licht und Staub das Wasser einfängt desto schneller werden sich Keime verbreiten. Algen und Pilze finden die Nährstofflösung nämlich auch ganz toll. Also verschließe Alles was du kannst!

Die Enden der Rohre sollen daher direkt ins Reservoir ragen, um das System von Licht und Umwelteinflüssen zu schützen.
Bohre deshalb ins obere Drittel 75mm Löcher in das Reservoir. Die Rohre müssen reinragen können. Achte darauf, dass alles parallel verläuft. Markiere daher zuerst die Höhe und die Abstände der Rohre am Reservoir. Du siehst auch im Bild, dass der Bewässerungsschlauch auch hineinragen sollte. Bohre daher auch ein 17mm Loch ins Reservoir, wie etwa im Bild 5.

 

Ansetzen der Nährstofflösung

Das Wasser zum ansetzen sollte im optimalen Fall ohne Mineralien sein. Mit Leitungswasser geht es aber auch (dann nehme extra Nährlösung für hartes Wasser). Ist bloß nicht so effektiv, weil die Mineralienzusammensetzung von hartem Leitungswasser variiert von Region zu Region. Es ist daher ein Unsicherheitsfaktor.
Die Zugabe folgt wie auf den Nährlösungen beschrieben.

Nachdem du den Dünger in das System gegeben hast, musst du den pH-Wert testen. Wie ich bereits erwähnte, liegt der optimale pH-Wert für die meisten Pflanzen bei 5,5 bis 6,0. Das Wasser aus unserer Leitung hat selten einen pH-Wert unter 7. Oft aber einen pH von 7,5 bis 8, oder höher. Deswegen muss der pH-Wert des Wassers mit dem pH-Senker angepasst werden.
Man beginnt mit der Messung des pH-Wertes des Leistungswassers. Wenn der pH-Wert über 6,5 ist (z. B. 7 oder 8) dann gibt man pH-Senker dazu. Und zwar genau nach Vorschrift (siehe Verpackung).
Sei dabei sehr vorsichtig und gib den pH-Senker nur in kleinen Mengen zu.
Also eine kleine Menge hinzufügen, dann eine Minute das Wasser umwälzen lassen, dann nochmal pH-Wert testen und so weiter.

Tipp: Ja. Es ist wirklich wichtig den pH-Wert genau einzustellen. Die Fähigkeit der Nährstoffaufnahme deiner Pflanzen hängt stark vom pH-Wert ab. Stimmt der pH-Wert nicht, nutzt auch der beste Hydrokulturdünger nichts.

Die Menge des Wassers beträgt bei mir 50 Liter Total. Fließgeschwindigkeit des Wassers in meinem Rohr ist relativ schnell und könnte bei 2 Litern/min liegen. Auf jeden Fall ist wenig, schnellfließende Nährlösung für des O2-Bedarf gut. Stehendes oder fast stehendes Wasser ist immer schlecht und eine Kontaminationsquelle. Ich habe das Rohr also nicht stark fluten lassen. Das Wasser bedeckt das Rohr vielleicht zu ¼.

 

Pflanzenkultivierung

Bevor du überhaupt einen Schritt unternimmst, solltest du schon einmal die Samen der Pflanzen sähen. Das kannst du in Watte, Steinwolle, Kokosnussfasern oder mit Quelltabletten machen. Wichtig ist, dass 1) die Wurzeln nicht Keime von Erdböden mit ins System bringen und 2) leicht von der Kinderstube uns Hydrosystem überführt werden können.

Die Kinderstube sollte daher aus einem Minigewächshaus bestehen, welches hohe Luftfeuchtigkeit hält. Dies sollte am Fenster oder an einer anderen warmen Beleuchtungsquelle stehen.

Verpflanzung geschieht in der Regel am 11. Tag. Vor dem Verpflanzen werden die Sämlinge gründlich bewässert. Die Verpflanzung sollte so geplant werden, dass Trockenperioden verhindert werden.

In meinem Fall habe ich ja ein NFT-System, welches flaches und schnelles Wasser besitzt. Die Wurzeln der Pflanzen müssen in einem Zwischenschritt an Länge zunehmen. Aber das kann im Minigewächshaus oder in einer Tiefwasserkultur erfolgen. Bei mir lief es in einer Tiefwasserkultur, weil ich sowieso Eine zur Verfügung hatte (siehe Bild 7).

Tipp: Die Löcher für die Netztöpfe haben durch die Krümmung des Rohres eine andere Form als die perfekt-runden Netztöpfe. Ich habe mir demnach ein Trick abgeschaut. Schneide vertikal einen Riss in die Wand der Netztöpfe wie es auf Bild 6 zu sehen ist.

Bild NFT 6: Schneiden eines Splits in einen Netztopf zur Anpassung an die Löcher in den PVC-Rohren

 


Bild NFT 7: 5 Tage alte Pflanzen in einer Tiefwasserkultur vorgezogen um Wurzeln wachsen zu lassen (rechts)

 

Ergebnisse

Nach ca. 5 Wochen (1 Woche nach Verpflanzung von der Tiefwasserkultur)

Man merkt, dass einige Pflnazen rasant an Wachstum zunehmen. Die kritischste Zeit sind die ersten 3-4 Wochen der Wurzelasubildung. Dann explodiert das Wachstum. Also. Zu früh ins Hydrosystem verpflanzen ist nicht gut.

 

Nach 7 Wochen (3. Woche nach Verpflanzung von der Tiefwasserkultur)

 

 

 

Nach 10 Wochen (6. Woche nach Verpflanzung von der Tiefwasserkultur)

 

Es ist zu sehen, dass die ersten und größten Salate ein beträchtliches Wachstum erreicht haben. Gleichzeitig sieht man auch Pflnazen die das selbe Alter haben, aber nicht die selbe Lichtintensität der LED-Beleuchtung bekommen haben. Diese sind dann kleiner. Weitere Versuche haben gezeigt, dass die Pflanzen eine Vorlaufszeit von insgesammt 4 Wochen benötigen, sonst sterben sie im NFT-System. Auch die Vepflanzung von Töpfen mit Blähton und Kokosfasern an der Oberfläche hat nicht die erwünschten Ergebnisse gebracht. Denn die Pflanzen aus der ersten Charge konnten spätestens nach 13 Wochen geerntet werden. Die Pflanzen mit Kokosfasern sind langsamer gewachsen und haben später eine Infektion bekommen.

 

 

Weiter geht’s zum Artikel Hybridsysteme und Neuerscheinungen.

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